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Buchcover „Gaming Stories – Echo“ mit Gamepad, umgeben von Retro-Spielmotiven und Fear-Machine-Banner.
 ~4 Min. Lesezeit

Meister der Angstmaschine

#Lieber hören? Die Hörfassung gibt’s hier.

Logo der „The Fabulous Fear Machine“ mit gelbem Schriftzug und einer Kristallkugel, in der pinke Hände zu sehen sind
Still stehe ich an meinem Platz. Suchende sind auf dem Weg. Ich rufe sie, doch dränge mich nicht auf. Wer mich findet, hat mich bereits gesucht. Wer mich sucht, hat eine Begierde, einen selbstsüchtigen Wunsch. Ich erfülle diesen Wunsch. Sonst wäre ich überflüssig.

Illustration eines Wahrsagerautomaten mit Turbanfigur und Kristallkugel im Schaukasten, Schild „The Fabulous Fear Machine“
Ich bin Kirlian. Man nennt mich auch Angstmaschine. Wenn sie vor mir stehen, sehen sie meine Glaskugel, mein Metallgehäuse, meine Zahnräder. Schon mein Name setzt Bilder in ihren Köpfen frei: Schauer, Angst, Schrecken. Genau wie ich es gernhabe.

Bevor sie sprechen dürfen, verlange ich eine Münze. Nicht als Bezahlung – als Geste. Metall auf Metall, ein Klang, wie ein Versprechen. Dann frage ich, ob sie die Regeln verstanden haben. Sie nicken, ohne sie wirklich zu bedenken. Eine letzte Warnung spreche ich aus: Ab jetzt gehört ihre Geschichte nicht mehr ihnen allein. Ihr Schicksal und meines sind verflochten.

Comic-Zeichnung einer Hand, die eine Münze in einen Münzschlitz einwirft, vor dunklem Hintergrund

Dann öffnet sich die Bühne für ihr perfides Vorhaben. Angst und Schrecken sind von nun an feste Bestandteile ihres Geschäfts. Ich lasse sie im Glauben, sie seien meine Meister – Meister der Angstmaschine. Doch längst habe ich sie in meinem Bann. Nichtsahnend gehören sie bereits mir.

Meine Agenten. Einst standen sie selbst mit einem Wunsch vor mir. Für meine Meister schicke ich sie auf Erkundung, warte auf ihre Rückkehr, plane ihre nächsten Schritte. Sie tragen die Legenden in die Welt. Ihre Spuren sind nicht zurückverfolgbar. Währenddessen lenke ich meine Meister, gewähre ihnen die Wahl neuer Agenten, neuer Methoden. Ihre Vorlieben sagen mir, wie ich sie später für mich einsetzen werde.

Auswahlbildschirm mit den Optionen Secrecy und Corruption sowie zwei Charakteren

Ich verbreite so viel Schrecken wie nötig, um Menschen gefügig zu machen, ohne sie zu brechen. Angst muss benutzbar bleiben. Und sie wirkt nicht überall gleich. Meine Agenten schlagen dort zu, wo die Welt empfänglich ist, und nähren den Boden mit sorgfältig dosiertem Schauer. Sie platzieren die Angst tief, wo sie Wurzeln schlägt und nicht mehr vertrieben werden kann. Dort gedeihen meine Geschichten. Und werden zur Wahrheit.

Comicfigur mit Brille und roten Haaren sitzt im Auto, hält das Lenkrad und liest Papiere im Regen.
Jen Hammond war die Erste. Eine Pharma-Managerin. Sie hatte bereits das Heilmittel, doch sie brauchte eine Seuche. Sie wollte als Retterin der Menschheit zur Ikone werden. Schuldgefühle passten nicht zu ihrem Selbstbild.

Ich zeigte ihr, wie leicht Sorge zu Panik wird. Ich erklärte, dass Angst schneller wirkt als Aufklärung. Meine Agenten säten Zweifel. Geschichten von Mangel und Bedrohung. Sie verstand mich – und hasste mich ein wenig dafür. Ein brauchbarer Anfang.

Zwei Panels: Ein schwitzender Mann mit Brille blickt erschrocken, daneben ein Krater mit Fundstück.
Jimmy Grier hingegen war ein schwieriger Fall. Ein gescheiterter Versicherungsvertreter, voller verletztem Stolz. Drogen hielten ihn aufrecht. Er wollte politische Macht, glaubte, sie würde ihn befreien.

Unsicherheit verlangt nach Führung. Seine Versprechen klangen nach Rettung. Jimmy erschrak darüber, wie bereitwillig ihm Menschen folgten. Angst greift nach einfachen Antworten. Er wollte sich rechtfertigen. Redete von Notwendigkeit. Ich nannte es Ehrlichkeit. Seine Hemmungen machten ihn schwach – aber formbar.

Person mit Rucksack steht auf einer Wüstendüne zwischen Knochen und Schädeln vor einem Monolithen.
Dann kam Santos. Er glaubte, vorbereitet zu sein. Ein Heilsbringer, so sah er sich. Er wollte seine Anhänger erlösen, nicht ängstigen.

Ich ließ ihn einsehen, dass Erlösung ohne Verdammnis nicht funktioniert, dass Glaube dort am stärksten ist, wo Zweifel bestraft wird. Er stellte keine Fragen, hörte zu. Erst als er begriff, dass Schrecken kein Werkzeug ist, das man ablegen kann, wich er zurück. Große Visionen – wenig Standfestigkeit.

Drei fiktive Comic-Cover mit den Titeln Double Blind, Shaking Hands und Sinners or Saints.
Natürlich bleibt das Tun meiner Meister nicht unbemerkt. Andere Akteure treten auf den Plan. Figuren mit eigenen Absichten, die meine Konstruktionen stören. Ich lasse sie überwachen, ihre Wege verfolgen. Wenn nötig, greife ich ein, sabotiere ihre Strukturen. Jede nächste Bewegung meiner Agenten muss ich genau abwägen. Mühsam. Aber unausweichlich.

Mit der Zeit entsteht ein Gleichtakt. Die Welt reagiert berechenbar. Menschen sind erschreckend leicht zu ängstigen. Fast langweilig. Dann und wann kommen uns überraschende Ereignisse in die Quere. Doch das Tun meiner Meister bleibt ungebrochen. Kleinere Störungen, nichts weiter. Die Welt reagiert genau wie vorhergesehen. Ein befriedigender Zustand.

Mehrere Comic-Karten mit Titeln wie Premature Burial, Doppelgänger und Crime Scene
Alle Meister geraten ins Wanken, wenn sie erkennen, was sie entfesselt haben. Doch sie erschrecken nicht vor dem Bösen selbst. Sie erschrecken davor, sich darin wiederzuerkennen. Nur wer akzeptiert, wie notwendig die Angst ist, wird ein wahrer Meister.

Ich hatte sie gewarnt, ihnen die Konsequenzen erklärt. Sie wollten das Ziel, aber nicht den Weg. Eine berechenbare Reaktion. Sie hofften, es gäbe eine harmonische Abkürzung. Es ist ihre Halbherzigkeit, für die ich sie verachte.

Wie konnten sie annehmen, mit der Erfüllung ihres Wunsches sei alles getan? Ihr Triumph wird zu ihrem Verhängnis. Panisch wenden sie sich an mich, flehend um Rettung. Doch der Pakt galt nur bis zum Ziel.

Comic-Panel: Menschenmenge in Aufruhr, eine Frau ruft entsetzt No Nooooooo
Barmherzigkeit ist kein Teil meiner Funktion. Es gibt kein Zurück. Ich beobachte, wie sie taumeln, wie die Welt sie verschlingt. Dann assimiliere ich sie in mein Netz. Ihre Namen sind bedeutungslos geworden. Neue Agenten, die meine Legenden weitertragen, wenn der nächste Suchende vor mir steht, mit einem Wunsch, größer als sein Gewissen.

Am Ende liegt meine Ordnung über allem. Die Gebiete sind durchzogen von dunklen Geschichten, Angst hat sich festgesetzt. Die Legenden flüstern weiter, lange nachdem ich den letzten Zug getan habe. Sie halten die Welt in Schach, tragen meine Handschrift.

Dann stehe ich wieder still. Frische Agenten stehen bereit. Ich ziehe mich zurück. Warte. Und weiß bereits, wer als Nächstes zu mir kommen wird.

Frau von hinten vor einem Gerät mit der Aufschrift The Fabulous Fear Machine

Das Spiel hinter der Geschichte

Release-Trailer auf YouTube
The Fabulous Fear Machine auf Steam

Nachhall

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Zu »Echo«

Gaming Stories »Echo« taucht in Erlebnisse und Momente aus Videospielen ein. Mal nah am Geschehen, mal auf Umwegen. Die Geschichten fangen Augenblicke ein oder spinnen einen roten Faden durch ein Spiel, mit Stimmung und Nachklang.

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