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Kreativität Inklusive

Kreativität Inklusive

Wer diese Zeilen liest, darf sich sicher sein: Ich habe sie selbst geschrieben. Ich hatte eine Idee, habe sie ein paar Tage mit mir herumgetragen, beim Autofahren darüber sinniert und sie schließlich zu Papier gebracht. Diese Worte stammen von mir – nicht von einer KI.

Dennoch gestehe ich ohne Umschweife: Als der Text fertig war, habe ich ihn einer KI gegeben. Rechtschreibprüfung, Redigieren, Lektorat, Korrektorat. Gleichzeitig habe ich der Maschine ausdrücklich verboten, eigene Gedanken einzustreuen oder meinen Text unnötig zu verändern.

So arbeite ich häufig mit dieser „Intelligenz“, die ich meist nur in ihrer Abkürzung als intelligent bezeichne. Für mich ist sie ein Werkzeug. So wie ein Handwerker einen Zollstock verwendet, um sein Augenmaß zu überprüfen, nutze ich KI, um meine losen Gedankentürme sauber zu stapeln.

Ich habe lange in schreibenden Berufen gearbeitet. Als ich für eine Lokalzeitung schrieb, wurden meine Texte von Menschen redigiert – und manchmal blieb gerade zu Beginn nicht viel von ihnen übrig. Das hat mich gelehrt, die eigene Arbeit nicht zu wichtig zu nehmen. Eine Formulierung, die man selbst liebte, konnte jemand anderes einfach herauswerfen. Schreiben musste nicht immer schön sein. Manchmal musste es vor allem funktionieren.

Aus dieser Perspektive ist KI ein ziemlich freundlicher Sparringspartner.

Aber dieser Text soll nicht davon handeln, warum KI „eigentlich gar nicht so schlecht“ ist. So einfach ist es nicht.
Ich bin KI-Nutzer, kein Entwickler. Ihre ganze Tragweite kann ich nicht erfassen. Ich sehe aber ein mächtiges Werkzeug, das gerade in der kreativen Arbeit Dinge vollbringen kann, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren.

Gerade in der Musik ist das bedrückend. Ein neuer Song? Kein Problem. Fünf Minuten.

Wortwörtlich fünf Minuten.

Wenn man selbst Musik macht, kann man plötzlich zumindest ein wenig nachvollziehen, wie sich ein Hufschmied gefühlt haben muss, als das erste Automobil durch die Straßen fuhr.

Wohin diese Reise führt, wissen wir nicht. Es gibt Klagen, Forderungen nach Regulierung und Gegenstimmen. Diese Auseinandersetzung muss geführt werden, damit Menschen, die mit Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen, auch künftig eine Chance dazu haben.

Doch eine Stimme kommt mir in dieser Diskussion zu kurz.

KI kann uns Arbeit wegnehmen. Sie kann mit uns konkurrieren und unsere wirtschaftliche Grundlage bedrohen.
Aber etwas kann sie uns nicht nehmen:
Das Gefühl, es selbst gemacht zu haben.

Das Gefühl, wenn ein Text plötzlich aus einem herausfließt. Wenn Tasten oder Saiten genau die richtigen Töne ergeben und etwas entsteht, das vorher nur im eigenen Kopf existierte. Dieser Moment, in dem man feststellt: Ich habe etwas erschaffen, das vorher nicht da war.

KI bedroht die Möglichkeit, Kunst zu vermarkten und damit einen Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist ernst und darf nicht kleingeredet werden.
Aber sie kann uns nicht nehmen, wie es sich anfühlt, etwas selbst erschaffen zu haben.

Das gehört uns.

Diese Selbstwirksamkeit – wenn man so will, die Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide – bleibt uns erhalten. Auch im Jahr 2026, mitten in einer technologischen Revolution, landen wir damit wieder bei einem sehr alten menschlichen Bedürfnis: etwas aus eigener Kraft zu erschaffen.

KI ist mächtig. Vielleicht wird sie sogar übermächtig. Aber wer sich hinsetzt, etwas erschafft und dabei Glückseligkeit empfindet, kann von einer KI nicht geschlagen werden.

Über den Rest muss die Gesellschaft entscheiden.

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